Hatha Yoga

Hatha Yoga

Hatha Yoga ist eine Form des Yoga, bei der das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist vor allem durch körperliche Übungen (Asanas), durch Atemübungen (Pranayama) und Meditation angestrebt wird. Hatha Yoga ist die in Europa bekannteste Yoga-Art. Asanas entwickeln auf sanfte Art Muskelstärke, Flexibilität und Körperbewusstsein. Durch das ruhige Halten der Stellungen wird blockierte Lebensenergie (Prana) wieder zum Fliessen gebracht und so die geistige Konzentration gefördert. Die Atemregulierung (Pranayama) wirkt verjüngend und spiritualisierend. In der Meditation (Dhyana) nehmen wir Abstand von den Impressionen der Sinne und kommen mit den tieferen Schichten unseres Selbstes in Kontakt.

Mit Asana beginnen wir, den Körper zu öffnen, den Atem zu „befreien“ und den Geist zu entdecken. Durch die Öffnung von Schultern und Hüften kann sich das Rückgrat maximal entfalten und wir schaffen den nötigen Raum für die Verlängerung des Atems. Am Anfang sind die Asanas herausfordernd, so dass Atem und Geist absorbiert sind mit der körperlichen Anstrengung. Wenn sich der Körper öffnet und stabilisiert, kann sich die Aufmerksamkeit der Atmung widmen; die Praxis verschiebt sich in Richtung Pranayama. Ein vitaler Atem in einem stabilen und offenen Körper schafft den nötigen Raum und die innere Ruhe für einen freien, achtsamen Geist und die Praxis fliesst über zur Meditation. Die Yogapraxis führt uns vom Groben (Körper) zum Feinen (Geist). Nur wenn der Körper verstanden ist, können wir zum feineren Atem übergehen. Der Atem bringt uns zum noch feineren Geist. Natürlich agieren Körper, Atem und Geist immer simultan, nur unser persönlicher Fokus verändert sich auf dem unermüdlichen Weg des Hatha Yoga.

Körper:  Asana

Wichtig bei der Ausübung der Asanas (Körperhaltungen) ist das bewusste Hineingehen, der richtige Atem, bewusstes Halten und das bewusste Auflösen. Yoga-Asanas sollen bei ihrer Ausführung immer zwei Qualitäten beinhalten: Stabilität und Wohlbefinden. Asanas dienen nicht nur körperlicher Geschmeidigkeit und vitaler Kraft, sondern auch einer guten Körperbeherrschung. Sie harmonisieren Körper und Geist. Die Asanas symbolisieren ein „Geschehenlassen“ – das Gegenteil zur üblichen Gymnastik, die auch gesund, meistens aber leistungsorientiert ist. Im Yoga geht es nicht um Leistung und Ziele, Yoga ist kein Wettbewerb. Die Yogaschüler sollten idealerweise ganz bei sich sein, evtl. sogar die Augen schliessen und sich nicht mit anderen vergleichen.

Atem:  Pranayama

Pranayama bezeichnet die Zusammenführung von Körper und Geist durch Atemübungen. „Prana“ ist eine Bezeichnung für die Lebensenergie; „Ayama“ kann mit „kontrollieren“ oder auch mit „erweitern“ übersetzt werden. Der Begriff „Pranayama“ bezeichnet also die bewusste Regulierung und Vertiefung der Atmung durch Achtsamkeit und beständiges Üben. Werden die verschiedenen Übungen des Pranayama regelmässig praktiziert, wird das Atemvolumen vergrössert und der Atem immer länger und feiner.

Geist:  Vom Rückzug der Sinne zur Meditation

Wenn sich der Körper für den pranischen Atem geöffnet hat,  können wir unsere Praxis wiederum verfeinern mit Pratyahara, dem Rückzug der Sinne. Dabei geht es um die Disziplinierung der Sinne wie Geschmack, Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und des Geistes durch ein Sich-nach-innen-richten. Durch diese Internalisierung des Bewusstseins sollen Sinneseindrücke allgemein bewusster und kontrollierbarer werden.  Es handelt sich aber nicht um eine Beschränkung der Sinne, im Gegenteil soll der Geist zur Wahrnehmung von Feinheiten geschult werden, die den Sinnen sonst verborgen blieben. Der Rückzug der Sinne (Pratyahara) führt zur Konzentration (Dharana) und schliesslich zur Meditation (Dhyana).